Der Duft von Oma Piepenbrink

Mit Düften z. B. in Parfüms kann man ganz besonders gut Stimmungen und Gefühle charakterisieren, bzw. Erinnerungen an längst vergangene Momente wachrufen. Ein Duft vermag seine Mitmenschen in gewissem Umfang sogar zu manipulieren, denn er nimmt direkten Einfluss auf das sogenannte ‚limbische System‘, den Teil des Gehirnes, der die Gefühle und Triebe ansteuert. Deshalb hatte Freddy auch gut daran getan, am Abend seiner Verlobung mit Knut in der Rolle der ‚Doris‘ tüchtig von ‚Eau de Maskerade‘ Gebrauch zu machen. Der hohe Pheromongehalt des Parfüms hatte das limbische System aller Anwesenden dermaßen benebelt, dass die Gäste über manches unübersehbar männliche Attribut seiner äußerlichen Erscheinung großzügig hinweg sahen. Die Nase sagte dem Gehirn nämlich etwas völlig anderes als das Auge, aber was soll’s! „Nen geiles Parfüm haste!“ konstatierte Vetters Bernie an dem Abend und kniff Freddy kräftig in den Ehs. Wir wollen Vetters Bernie in dem Fall doch keine homosexuellen Neigungen unterstellen, woll?!  Auch vielen anderen Protagonisten habe ich im Mosebolle-Roman je nach Typ und Situation einen bestimmten Duft zugeordnet. Wenn der Produktname von mir auch frei erfunden wurde, so kann sich wohl jeder den schweren, animalischen Duft von ‚Eau de Krawall‘ vorstellen, den Carlo Mafioletti verströmt. Ein Geruch, der  widerlich lange auf der Nasenschleimhaut liegt und sich sogar als ekeliger Geschmack im Mund breit macht. Oder wer kennt nicht den bitter-süßen Duft von ‚Eau de Futsch‘ aus den Papiertaschentüchern von Anneliese Mohrmann? Das blöde Gefühl von ‚DAS wäre Dein Preis gewesen!‘ – meist verbunden mit einem dicken Kloß im Hals kurz vorm Heulen. Haben wir doch auch schon alle mal gehabt, woll?! Manche Düfte erkennt man schon vom Namen, denn sie sind echte Klassiker – seit Jahrzehnten bekannt. Im Wagen der Foxi-Film Studios steht eine dicke Wolke von ‚Odekolong‘. In Verbindung mit der Heimatstadt der Leute vom Film und einer berühmten Hausnummer in der Glockengasse weiß der Leser trotz der markanten Schreibweise von ‚Odekolong‘ sofort Bescheid. Es gibt noch ein paar Hinweise im Buch auf diverse Duftnoten. Besonders möchte ich aber noch von Oma Piepenbrink und ihrem Flakon ‚Eternity‘ berichten. (Der aufmerksame Leser meiner Blogs wird es bereits bemerkt haben: Ja, DIE Frau ist mir persönlich ans Herz gewachsen!) ‚Eternity‘ – Ewigkeit! Da ist für die unbändige Zuversicht und Lebensfreude der sechsundneunzig-jährigen Dame alleine der Name ‚Eternity‘  bereits Programm! Obwohl ich natürlich nicht glaube, dass Hedwig Piepenbrink der englischen Sprache mächtig ist und sie verstanden hat was das eigentlich heißt. Aber ich gestehe: Als wir Anfang Januar im Urlaub auf Lanzarote durch eine der zahlreichen Parfümerien schlenderten, überkam mich plötzlich der unbändige Wunsch, einmal an ‚Eternity‘ zu schnuppern. Natürlich konnte ich nicht widerstehen. Seitdem schwebe ich ab und zu in einer dicken Wolke von ‚Eternity‘ – dem Duft von Oma Piepenbrink!

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